3 Einheiten pro Tag und knapp 30 Stunden pro Woche – das stand für unser Basis-Trainingslager in Portugal in den vergangen 14 Tagen am Plan. Wie soll ich das schaffen? Das war meine erste Frage, mein erster Impuls, den diese Aufgabe in mir aufkommen ließ. Gerade weil ich noch vor 3 Wochen aufgrund verschiedener Umstände noch nicht im Stande war, viel länger als 30 Minuten am Ruderergometer zu verbringen.

2 Wochen später steh‘ ich nun da und blicke auf eines der besten, wenn nicht das beste Trainingslager zurück, das ich je absolviert habe. Mit einem enormen Trainingsfortschritt, vielen neuen Ideen und noch mehr Motivation für das kommende Qualifikationsjahr zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Ihr kennt dieses Gefühl von dem ich oben geschrieben habe vielleicht selber: bevor man auf der Uni für eine große Prüfung zu lernen beginnt, oder vor dem Start eines neuen beruflichen Projekts, dem Start beim Erlernen eines neuen Musikinstruments oder Ähnlichem. Wie aber jetzt fertig werden mit solchen Herausforderungen?

Die erste Frage, die ich mir dabei immer stelle lautet: Ist Rudern und Trainieren nicht genau das, was mir am meisten Spaß macht? Die Antwort, die ich mir darauf selber geben kann: Ja! Geil, in den nächsten Woche gibt’s einfach unglaublich viel davon und am Ende werde ich eine riesen Schritt weiter sein auf meinem Weg. Damit ist schon mal jedes im ersten Moment vielleicht ungut erscheinende Gefühl dahin und es entsteht jede Menge Vorfreude.

Das kleine Geheimnis – das oftmals nicht ganz so leicht umzusetzen ist – ist für mich dann das Genießen des Moments. Ich denk einfach nicht mehr darüber nach, was morgen, heute Nachmittag oder in 2 Stunden zu tun ist. Ich versuche in jedem Moment einfach das Beste zu geben. Jeder Gedanke an das, was noch kommt, lenkt nur ab und kostet wertvolle Energie, dich ich lieber ins Hier und Jetzt stecke. Natürlich bringt einen das auch schnell an die Grenzen und hin und wieder darüber hinaus. So auch in dieser Woche passiert. Nur: Wer nicht an seine Grenzen geht, weiß auch nicht wo diese liegen und lernt vielleicht nie sein volles Potenzial kennen.

Um so abschalten zu können, ist für mich eine Bedingung notwendig: Ein Umfeld, in dem ich nicht darüber nachdenken muss, was, wann und wie zu tun ist. Es sollte also alles so organisiert sein, dass ich mich voll auf das, was im Moment zählt, einlassen kann – das Training. Und dann kommt man irgendwann wieder zuhause an und blickt auf 2 Wochen zurück, in denen man Dinge erreicht hat, die man sich vorher vielleicht gar nicht vorstellen konnte.

Mich hat dieses Erlebnis, nach einem langen, harten Jahr mit vielen Rückschlägen, viel Nachdenken und einigen grundlegenden Änderungen wieder daran erinnert, wie viel möglich ist, wenn man sich einer Sache voll hingeben kann. Wenn man einfach das tun kann, was gerade ist – ohne darüber nachzudenken.

Was ich wieder erkannt habe ist, dass die Challenge nicht nur im Training selbst liegt, sondern auch darin, sich ein Umfeld zu schaffen, in dem das Sein im Moment möglich ist. Dann passieren die Dinge fast wie von allein…

 

In diesem Sinne einen guten Start in die Woche und bis bald!

Bernhard